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“Leute! Super das ihr mich in Stein gemeiselt habt, … aber wurde da nicht was vergessen?”

“Leute! Super das ihr mich in Stein gemeiselt habt, … aber wurde da nicht was vergessen?”

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Nerd

Guten Tag, mein Name ist Ariane. Ich bin Nerd. Wenn ihr das hier lest, seid ihr wahrscheinlich auch Nerds. Oder ihr habt euch hierher verlaufen. Was beweist, dass ihr keine Nerds seid, denn Nerds verlaufen sich überall – nur nicht online.

Es ist gar nicht so leicht zu erkennen, dass man Nerd ist. Das Problem ist das soziale Umfeld. Denn wenn man in einer Nerd-Herde untertaucht wie ein Gnu zwischen seinen Vettern, empfindet man sein Leben als normal. Das ist Mowgli ja auch passiert. Der ist in einem Dschungel aufgewachsen und seine Realität war, dass ihn singende Bären zum Ameisenessen animiert haben. Wie weit das vom Durchschnittsmensch entfernt ist, hat er auch erst gemerkt, als er aus dem Dschungel raus ist.

Und dieses „Aus dem Dschungel raus“ passiert mir immer dann, wenn ich mit Leuten zu tun habe, die keine Nerds sind. Im Laufe von Unterhaltungen, die ich eigentlich gar nicht führen möchte, weil mich das Fehlen eines Headsets irritiert, kommt die Sprache immer auf „Was machst du sonst so?“. In den allermeisten Fällen ist das eine geheuchelte Frage, weil’s das Gegenüber genauso wenig interessiert wie mich sein „Was machst du sonst so?“. Natürlich ist das der Versuch, die Konversation am Leben zu erhalten. Da sind Gespräche ja auch nicht anders als Schwerverletzte. Die Umstehenden müssen eben zusehen, dass dem Opfer immer genug Sauerstoff in die Lunge geblasen wird. Jeder trägt seinen Teil dazu bei und wenn man sich nicht richtig bemüht, stirbt der Patient. Das nennt man dann peinliche Stille. Und die will ja niemand. Deshalb wird krampfhaft versucht, die Konversationsnulllinie zu verhindern. „Und was machst du sonst so“ ist dann der Gesprächsdefibrillator. Eigentlich ist die Luft raus, aber irgendwie muss es ja auch weitergehen. Auf Fragen wie diese antworte ich dann auch eher widerwillig. Schließlich weiß ich genau, was das Gegenüber vorhat. Es will mich auf ein Gebiet führen, von dem ich gerne erzähle. Mit dem Ergebnis, dass er es nicht machen muss. Also nuschele ich als Antwort dann was von „Videogames“. Die Reaktionen sind immer gleich. Er sagt: „Oh, du zockst so richtig?“. Er meint: „Oh, dein Leben ist so scheiße, dass du vor den Bildschirm flüchtest“.



Was kannst du mir denn da empfehlen?

Dann geht die Demütigung aber erst los. Es wird weiter Interesse geheuchelt. Unter Garantie hat immer irgendein minderjähriger Neffe bald Geburtstag und man soll doch bitte irgendwas empfehlen. Solchen Leuten empfehle ich dann immer die Wii – die einzige Konsole, die ich nicht zu Hause habe. Die Wii und irgendwas von Mario - und bitte sei jetzt ruhig. Es ist unfassbar, was Leute auf dem Gebiet des Gaming alles nicht wissen können. Allein bei dem Versuch, die Dinge zu erklären, muss ich mehrfach im Satz Seitenpfade einschlagen, um die Worte zu erklären, die ich zum Erklären benutzen möchte.

Das Schlimmste ist: Es funktioniert. In solchen Gesprächen ende ich immer damit, begeistert über Xbox Live zu reden. Dass ich da ja jeden Abend meine Freunde treffe, um mit denen zu spielen und dabei zu reden! Und echt jetzt, probier das doch mal aus. Und es entgleitet mir. Meinem Gegenüber wird langsam mulmig, so viel Enthusiasmus war nun doch nicht erwünscht. Ich versuche, mein Hobby zu rechtfertigen, indem ich Brücken schlage in seine Realität, ihm Parallelen aufzeige, Ängste nehme. Funktioniert nicht. Der Zug ist abgefahren. Also frage ich ihn: „Und, was machst du sonst so?“.

Zumindest taugen solche Begegnungen dazu, mal über sich selbst nachzudenken. Sich einzuordnen. Seinen Platz in der Gesellschaft zu definieren. Man umgibt sich ja sonst nur mit seinesgleichen. Das gaukelt einem vor, alle anderen wären so ähnlich wie man selbst. Früher hatten wir Treffpunkte, wo man ohne Verabredung zusammenkam. Das konnte schon mal eine Bushaltestelle sein, ein Spielplatz oder Jugendclub. Heute passiert das alles im Internet. Wenn ich abends bei Xbox Live online gehe, treffe ich immer Leute, mit denen ich abhängen kann. Das ist für mich völlig normal. Und für die meisten meiner Freunde auch. Aber ist das eigentlich normal? Nein! Ich finde auch so ziemlich alles scheiße, was im Fernsehen läuft. Trotzdem gibt es immer noch Fernsehen, weil die meisten Leute so was prima finden.


Ich bin einfach Teil einer Randgruppe. Eine Minderheit.



Rise of the Argonerds!

Die Frage ist: Wie geht man mit dieser Erkenntnis um? Verkriechen? Vor den mitleidigen Blicken der normalen Menschen noch tiefer in das digitale Dickicht fliehen?

Nein, nein, meine sehr bleichgesichtigen Freunde. Der Nerd von heute ist selbstbewusst. Es ist Zeit, seine Nerdigkeit mit dem gleichen Stolz zur Schau zu stellen wie ein Rockstar seine Rockigkeit. Nerdig ist das neue Cool!

Wer ist es denn, der das Internet erfunden und massentauglich gemacht hat? Wer hat Seiten wie Facebook oder Twitter in die Mitte der Gesellschaft gehievt? Ja, gut, ich jetzt nicht, aber andere Nerds halt.

Nerd zu sein bedeutet Authentizität. Das Wort ist zwar so ausgeleiert, dass es schon seine eigene Bedeutung verloren hat, aber im Grunde ist es das. Nerds machen das, was in ihrer Welt cool ist, unabhängig davon, wie die Masse es bewertet. Nerds werden nicht Opfer von Trends und Hypes, lassen sich nicht diktieren, was gerade angesagt ist, sondern finden es selbst heraus. Und deshalb sage ich mit Stolz: Mein Name ist Ariane. Ich bin Nerd. Und ich bin cool!

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Kabelsalat

Die Hauruck-Aktion war von vornherein zum Scheitern verurteilt. Hat es mich dennoch davon abgehalten? Natürlich nicht. Die Impossible-Mission-Melodie summend analysierte ich das schwarze Wirrwarr auf dem Boden, fixierte einzelne weiße Flecken, packte zu und zog heftig daran. Irgendetwas ging irgendwo kaputt. Ich hasse Kabelsalat.

Dabei scheint die Ursache von Kabelsalat doch recht einfach zu sein. Faulheit. Natürlich könnte ich all die technischen Spielereien und deren Verbindungskabel, Stromkabel und Verlängerungskabel geordnet zusammenbinden, mit Namenskärtchen versehen und in eine dafür passende Schublade stecken. Aber das mache ich aus Prinzip nicht. Das finde ich irgendwie spießig. Stattdessen schmeiße ich jedes neue Kabel auf kürzestem Wege in diesen großen Haufen aus… Zeug und Kabeln, auf dass es sich brav assimilieren lässt.

Jedes Mal, wenn ich dann ein bestimmtes Kabel benötige, erfolgt die gleiche Prozedur.

1. Frustrationsphase: Frust über die eigene Faulheit, meine Kabel nicht ordentlich zusammengebunden und sie mit Namenskärtchen versehen zu haben.

2. Gesteigerte Frustrationsphase: Mit dem Eintreten in mein Zimmer muss ich erst mal den Kabelhaufen im Chaos ausfindig machen. Mein Gehirn scheint aus unerfindlichen Gründen tatsächlich mit allen anderen Sachen ähnlich „clever“ umzugehen.

3. Planungsphase: Ein kurzer, intensiver Kampf zwischen Gut und Böse bzw. zwischen sozialfähigem Leben und der Macht des Müßiggangs entbrennt. Ich analysiere die Situation, wäge den Nutzen des Kabels gegen alle anderen möglichen Konsequenzen ab und gehe im Geiste alle Szenarios mit verschiedenen Notfallplänen durch.

4. Rehabilitationsphase: Die kurze, intensive Schlacht im Hirn war zu anstrengend, ich lege mich für ca. 15 bis 45 Minuten für einen dieser Powernaps hin.

5. Frustrationsphase: Erneuter Frust über die eigene Faulheit, meine Kabel nicht ordentlich zusammengebunden und sie mit Namenskärtchen versehen zu haben. Dazu kommt die Erkenntnis, dass so ein Powernap vollkommen schwachsinnig ist.

6. Angriffsphase: Volle Konzentration auf das Kabel und jedwede Gewissensbisse sowie Unschlüssigkeit im Keim ersticken. Über diverse Klamottenberge springen, auf irgendwas Hartes treten, fluchen, Kabelberg packen und hochreißen.

7. Erkenntnisphase: Ab diesem Zeitpunkt setzt dann meistens das Gehirn wieder ein. Während ich eine Art Weihnachtsbaum aus Kabeln und Controllern in die Luft hebe, überkommt es mich dann doch noch. Ich sollte wirklich, wirklich ernsthaft meinen Lebensstil ändern… Ordnung schaffen, Papierkram erledigen, Wäsche waschen etc.

Wenige Sekunden später schüttele ich elegant am Kabelsalat, Pads baumeln friedlich aneinander und Anschlüsse schlagen mir ins Gesicht. Ich reiße so lange an dem gewünschten Kabel, bis es sich endlich losgerissen hat, und lege – motiviert von dem bevorstehenden Lebenswandel – den Kabelhaufen behutsam zurück auf den Platz, anstatt ihn einfach wahllos hinzuschmeißen.

Eines Tages werde ich keinen Kabelsalat mehr haben. Eines Tages werde ich vielleicht ein geordnetes und geregeltes Leben führen können, ganz ohne Faulheit und Müßiggang. So schwer kann das doch gar nicht sein. Alles, was man dazu tun muss, ist sich selbst dazu zu entscheiden. Und sind solche Entscheidungsprozesse im Allgemeinen nicht sogar vergleichbar mit Kabelsalat? Sie fangen irgendwo an, verlieren sich im Wust aus anderen Gedanken. Und zerrt man an dem einen, so beeinflusst das auch andere Gedanken. Verfolgt man dagegen in Ruhe den Verlauf des Entscheidungsprozesses, kann man ihn von dem Wust anderer Gedanken klar trennen, definieren und entsprechend herausfiltern.

Also fange ich im Geiste damit an, was ich in der Realität nicht schaffe. Ich verteile Namenskärtchen auf bestimmte Entscheidungsprozesse, auf dass ich sie irgendwann mal in geordnete Bahnen lenken und bei Bedarf auf sie zugreifen kann. Den einen habe ich bereits ausfindig machen können. Er trägt das Namenskärtchen Faulheit.

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